Über Tiffany
Louis Comfort Tiffany
- Ein Leben für die Schönheit -
Sammler und Liebhaber des Jugendstils verehren ihn. Museen und Privatsammler zählen seine Gläser, Lampen und Fenster zu ihrem kostbarsten Besitz: Louis Comfort Tiffany, Meister der Glaskunst.
Am 18. Februar 1848 in New York als Sohn des Schmuckhändlers und Juweliers Charles Lewis Tiffany geboren, entschied er sich gegen die väterliche Firma und für eine Künstlerlaufbahn. Die Landschaftsmaler George Inness und Samuel Coleman wurden seine Lehrer, Studienreisen führten ihn nach Europa und Nordafrika. Die Gemälde und Zeichnungen, die Tiffany unter anderem auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876 präsentierte, machten ihn in Amerika rasch bekannt. Doch zog es ihn bald zu neuen Aufgaben. Als Mitglied der "Associated Artists" gründete er 1879 ein Einrichtungsstudio, das einen neuen Wohn- und Lebensstil propagierte.
Bedeutende Aufträge waren die Einrichtung des Wohnhauses von Mark Twain (1882) oder die Umgestaltung von Räumen des Weißen Hauses unter Präsident Chester Alan Arthur (1883).
Tiffanys Leben und seine künstlerische Laufbahn waren durchgehend von Erfolg gekrönt. 1900 stand er im Zenit der internationalen Anerkennung. Mit Glasfenstern war er in den USA führend, seine Ziergläser eroberten Europa, und in Corona hatte er soeben eine umfangreiche Lampenproduktion begonnen. Später behauptete er glaubhaft, letztere sei Nebenprodukt seiner Glasfenster gewesen, denn so habe er die Reste verarbeiten können. Für Lampenfüße und -faßungen sowie für Leuchter hatte er eine Bronzegießerei, für Kleingerät eine Email-Abteilung errichtet. 1900 fasste er sämtliche Werkstätten zu den "Tiffany Studios" zusammen.
1902 starb sein Vater Charles Lewis Tiffany und hinterließ dem Sohn ein Millionenerbe. Tiffany, der an der väterlichen Schmuck- und Silberwaren-Firma Tiffany & Co. bisher nicht beteiligt gewesen war, wurde Vize-Direktor und künstlerischer Leiter. Bald waren die Tiffany Studios und Tiffany & Co. die größten Einrichtungs- und Werkstättenbetriebe Amerikas.
Noch heute ist Tiffany & Co. auf der Fifth Avenue jährlich das Ziel von Millionen Besuchern.
Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs kündigte sich eine neue Epoche an, die das Ende des Jugendstils besiegelte und den Studios schwer zu schaffen machte.1918 zog sich Tiffany, 70jährig, zurück und gründete eine Stiftung zur Förderung junger Künstler. Die letzten Jahre verbrachte er auf seinem Landsitz auf Long Island, wo er sich wieder der Malerei sowie dem Sammeln ostasiatischer und indianischer Kunst zuwandte. Am 17. Januar 1933 verstarb Louis Comfort Tiffany, nach einem künstlerisch außerordentlich produktiven und geschäftlich höchst erfolgreichen Leben, im Alter von 85 Jahren.
Glas förmlich zum Leuchten gebracht
Für die Beleuchtung der Räume spielten Glasfenster eine große Rolle. Die Technik der Farbglasfenster war seit dem Mittelalter gleichgeblieben: Als Träger für die Bemalung verwandte man monochromes Antikglas. Tiffany, den Farbe und Licht schon als Maler fasziniert hatten, wollte dagegen nicht auf, sondern mit Glas malen. Er entwickelte eine Fülle von Tönungen und Beimischungen, die das Material leuchtender, differenzierter und ausdrucksstärker machten. Unter dem Namen Opaleszentglas wurde es weltweit bekannt. 1885 gründete er die Tiffany Glass Company, die vor allem Kirchenfenster ausführte.
Als Glaskünstler war Tiffany Entwerfer und Handwerker, Experimentator und Fabrikant, den Ruhm und Anerkennung lebenslang begleiteten. Die Weltausstellung 1893 in Chicago markierte den ersten Höhepunkt seiner Karriere, als er neben Farbglasfenstern, Lampen und mundgeblasenen Ziergläsern eine mit Fenstern und Mosaiken ausgestattete romanisch-byzantinische Kapelle ausstellte. 54 Preise wurden seinem Unternehmen zugesprochen.
Anfang der 80er hatte Thomas Edison die Glühbirne und damit das elektrische Licht entdeckt, dessen Möglichkeiten Tiffany begeisterten. Fortan arbeitete er an einem Beleuchtungs-konzept, das sich von traditionellen Lichtquellen wie Kerosin oder Petroleum grundlegend unterschied. Geblasene Kugeln und mosaikartige Schirme, die das Licht stimmungsvoll filterten und verteilten, wurden ein wichtiges Experimentierfeld. Der Betrachter war beeindruckt von der Schönheit einer Glyzinien-, Päonien- oder Lilienlampe. Ihre verklärenden Darstellungen der Pflanzenwelt waren wichtig für die Akzeptanz des elektrischen Lichts überhaupt, milderten die Skepsis vor der Technik, machten die Helle sanft und erträglich.
Tiffanys Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1900 war ein großer Erfolg beschieden. Europa begrüßte seine Kunst - vor allem wegen der heiß- bzw. mundgeblasenen Hohlgläser, die man als Alternative zur europäischen Glaskunst etwa eines Emile Gallé verstand. Den Boden für die Anerkennung hatte der aus Hamburg stammende Kunsthändler S. Bing bereitet, der seit 1894 von Paris aus als Agent Tiffanys tätig gewesen war und mit vielen kunst-gewerblichen Museen Europas
Kontakt aufgenommen hatte. 1896 erwarb auch der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, Justus Brinckmann, seine erste Tiffany-Vase.
Inspirationen aus der Pflanzenwelt
War die künstlerische Beziehung zwischen Europa und Amerika bisher eine Einbahnstraße zugunsten Europas gewesen, so veränderte Tiffany die Richtung. Niemand Geringerer als der Generaldirektor der Berliner Museen, Wilhelm von Bode, war überzeugt, dass gerade der Mangel an Tradition, der unbändige Pioniergeist und der Drang nach Perfektion Amerika prädestinierten, auch international als Kulturnation hervorzutreten. So gehörte Bode in Europa zu den ersten Bewunderern Tiffanys.
Museen, die bis 1900 noch keine Tiffany-Objekte erworben hatten, holten dies auf der Weltausstellung nach. Bald erwiesen rund 30 Häuser, von Paris bis St. Petersburg, von Stockholm bis Zürich, dem New Yorker Künstler ihre Reverenz.
Mit seinen Hohlgläsern betrat Tiffany Neuland. 1892 hatte er die Tiffany Glass and Decorating Company gegründet und in Corona auf Long Island eine Hütte errichtet. Hier fertigte er hochqualitative Glasmalereien und experimentierte mit mundgeblasenem Heißglas. Aus dem englischen Stourbridge angeworbene Glasbläser realisierten Gefäße von einfacher, elementarer Formgebung, die zum Teil römischen, orientalischen und fernöstlichen Vorbildern entlehnt waren. Zu den Spezialitäten der Hütte zählten von antiken Bodenfunden inspirierte Lüster- und lrisbildungen, gekämmte Fadenmuster, Pfauenfeder- und Blattdekore, Marmorierungen und Wellenmuster. Tiffany fasste seine glastechnischen Erfindungen 1894 als "Favrile"-Glas (abgeleitet aus dem altenglischen fabrilis = handgearbeitet) zusammen.
Gläser wie diese hatte die Welt noch nicht gesehen. In Europa war es üblich, ofengeformte Stücke nach dem Erkalten durch Schnitt, Schliff oder Bemalen mit Emailfarben zu veredeln. Tiffany aber lehnte die "kalten" Techniken ab, ließ alle Formen und Dekore bei der Arbeit am Ofen herstellen, was größte Geschicklichkeit erforderte. Viele Details entstanden spontan, kein Glas glich dem anderen. Trotz aller Kontrolle im Entwurf waren Tiffanys Stücke deshalb immer auch Ergebnis inspirierter Zufälle.
Herstellung
Zuerst wird die Vorlage auf das Glas übertragen. Am besten mit einem wasserfesten Stift.Dann mit einem Glasschneider entlang der vorgezeichneten Markierung schneiden und mit einer Glasbrechzange vorsichtig die Teile ausbrechen.
Da die Schnittkanten sehr scharf sind, werden die Kanten der Glasteile mit einer Glasschleifmaschine abgeschliffen.
Nun werden die Glasteile mit Kupferfolie eingefasst. Die Teile müssen fett- und staubfrei sein, Reinigung zum Beispiel mit Brennspiritus.
Nach dem Einfassen wird entlang der Kupferfolie Lötfett aufgetragen. Hierzu eignet sich ein Pinsel mit festen Borsten am besten.
Jetzt werden die Teile mit Lötzinn verbunden. Eine saubere Lötnaht wird mit einem gemäßigten Tempo beim Löten erreicht. Bei hängenden Glasobjekten (Schmetterlinge) noch aus Draht einen Aufhänger dranlöten.
Um die Lötnähte noch in entsprechender "Farbe" zu gestalten, wird das Glasobjekt bzw. die Lötnähte nach gründlicher Reinigung mit Patina eingebürstet. Hier eignet sich eine Zahnbürste hervorragend. Die Patina ist z.B. in Kupfer oder Schwarz erhältlich. Der Patiniervorgang wird mit Wasser gestoppt, sauber reinigen und fertig.